12.06.2002 Bund - Rassistische Sprayereien

Ittigen / Das Freizeithaus im Rütiwäldli ist mit antisemitischen Parolen versprayt worden. Die SP fordert den Gemeinderat dazu auf, die Täterschaft so rasch wie möglich zur Rechenschaft zu ziehen.

cvb. Das neue Freizeithaus Rütiwäldli in Ittigen, zwischen der Autobahn und den Bahngleisen, ist mit antisemitischen Sprayereien überdeckt worden. Auf der Tür prangen ein Hakenkreuz und die Abkürzung "KZ" für Konzentrationslager. "Juden raus" steht gross über die Fensterladen geschrieben, und der Brunnen ist mit "Heil Hitler" besprayt. "Die SP Ittigen ist zutiefst entsetzt über die rassistischen Parolen und Drohungen", schreibt die Partei in einer Medienmitteilung und fordert den Gemeinderat auf, "unverzüglich alles zu unternehmen, um die Täterschaft wegen Verletzung des Antirassismusgesetzes zur Rechenschaft zu ziehen".

Unterschiede beim Sprayen

Beat Schläfli, der Bauverwalter von Ittigen, will "die Sache so schnell wie möglich in Ordnung bringen". Er erhielt vom Gemeinderat den Auftrag, bei der Polizei eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung einzureichen, und die Schmierereien so schnell wie möglich zu entfernen.

Rosa Schenk von der SP Ittigen hat die antisemitische Propaganda übers Wochenende fotografisch dokumentiert und den Vorstoss ihrer Partei initiiert. "Die meisten Passanten beim Freizeithaus waren entsetzt über die Sprayereien, aber nicht unbedingt auch über die Inhalte", sagt Schenk. Auch für Giorgio Andreoli von der Informations- und Beratungsstelle "gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus" (gggfon) ist es wichtig, dass zwischen den "üblichen, lästigen Sprayereien" und "menschenunwürdigen Botschaften", wie im neuesten Fall von Ittigen, unterschieden wird. Das abgeschiedene Gebiet zwischen dem Grauholzdenkmal und dem Rütiwäldli sei ein beliebter Treffpunkt der rechtsextremen Szene, sagt Andreoli weiter. Im letzten Jahr hatte eine rechtsextreme Gruppierung sogar das Freizeithaus gemietet, um den Geburtstag eines Naziidols zu feiern. Gemäss dem Posten der Kantonspolizei in Ittigen wurde der Anlass damals überwacht.

"In Ittigen weiss man relativ gut, wer hinter diesen Sprayereien steckt", sagt Rosa Schenk und spielt damit auf den Fall "Solterpolter" in Bern an, bei dem ein alternatives Zentrum von einem Skin aus Ittigen mit dem Sturmgewehr
beschossen worden ist. Der Verurteilte sitzt zurzeit in Haft.