24.09.2002 Berner Rundschau -

RECHTSRADIKALE

«Offensiv zum Problem stehen»
Bevölkerung muss reagieren

Daniel Haller

«Wenn so etwas wie nun in Langenthal passiert, ist die erste Reaktion immer der Ruf nach der Polizei und der Politik», stellt die Burgdorfer Gemeinderätin Elisabeth Zäch fest. «Dabei darf man aber nicht stehen bleiben, denn das Problem der Rechtsradikalen geht alle an.» Für Elisabeth Zäch, die nach den Skin-Übergriffen an der Solätte 2000 die Aktion Courage mit initiierte, ist die Haltung der Bevölkerung entscheidend: «Wir müssen hinstehen und klarmachen: » Nachdem die Aktion Courage in Burgdorf nun abgeschlossen ist, habe sich ein Kreis interessierter Personen zwecks kontinuierlicher Weiterarbeit zusammengefunden. Unter anderem verfolge man das Projekt, dass Burgdorf sich am «gggfon» beteilige.

Ins Leben gerufen wurde gggfon - «Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus» - von der Gemeinde Münchenbuchsee als Reaktion auf die dortigen Skinheadprobleme. Seit Februar beteiligen sich insgesamt 24 Agglomerationsgemeinden und die Stadt Bern an der Informations- und Beratungsstelle. Betreut wird sie von fünf Fachpersonen, die sich mit dem Thema Gewalt und Rassismus auseinandersetzen. «Wir haben auch Anfragen aus der Region Langenthal», berichtet gggfon-Projektleiter Giorgio Andreoli. Darunter seien Anrufe von hilfesuchenden Eltern rechtsradikaler Kinder. «Wir sind offen für alle, also sowohl Opfer von Gewalt als auch Lehrer, Eltern, Behörden und Jugendliche, die sich mit dem Problem konfrontiert sehen.» Es sei möglich, Beobachtungen - beispielsweise rechtsradikale Treffen und Partys - anonym zu melden. «Wir nehmen dann mit den Behörden der entsprechenden Gemeinde Kontakt auf», erklärt Andreoli. Wichtig sei, dass eine Gemeinde dazu stehe, wenn sie ein Problem mit Rechtsradikalen habe. «Das schlechteste ist, wenn man Angst hat und schweigt.» Strafrechtliche Anzeigen seien zwar ein notwendiger Schritt, entscheidend sei aber der Aufruf an die Bevölkerung, Stellung zu beziehen. «Dabei geht es ums Hinschauen, nicht um Bürgerwehren», stellt Andreoli klar.
gggfon plane eine Reihe von Aktionen, unter anderem einen Kioskwagen, der von Gemeinden für Präventionsarbeit bestellt werden könne.