14.10.2004 Langenthaler Tagblatt - gggfon-Bilanz: Beinahe doppelt soviele Anfragen

Gérard Bornet

Die regionale Informations- und Beratungsstelle zum Thema Gewalt und Rassismus, gggfon, meldet eine Zunahme der Erstkontakte um fast 80 Prozent, verglichen mit den Vorjahreszahlen. Langsam greift das gggfon auch in der Region Burgdorf Fuss.

Im ersten Halbjahr 2004 verzeichnete das gggfon insgesamt 139 erste Kontaktaufnahmen, 2003 waren es noch deren 78, wie dem jüngsten Halbjahresbericht zu entnehmen ist. Etwas mehr als die Hälfte stammten von Fachpersonen und Behörden, rund ein Drittel aus der Bevölkerung. Für Projektleiter Giorgio Andreoli ist die Ursache der Zunahme nicht eindeutig zu eruieren: «Einerseits wird unsere Stelle immer bekannter, andererseits könnte es auch sein, dass die Szene sich mehr regt.» Könnte, denn für eine solche Aussage reiche die Betriebsstatistik des gggfons nicht aus, betont Andreoli. Eine wissenschaftliche Auswertung der Daten stehe noch bevor. Die Mitarbeiter des gggfons würden aber eine zunehmende Polarisierung feststellen. Bei den «linken» Jugendlichen werde die Gewaltbereitschaft zum Teil höher, in der «rechten» Szene macht sich eine Verfestigung der Ideologie bemerkbar. Vermehrt wird rechtsextremes Gedankengut öffentlich verbreitet.
Von den 139 Erstkontakten waren deren 49 Meldungen über diskriminierende und rassistische Vorfälle, zwölf mehr als im Vorhalbjahr.

Langfristig angelegtes Projekt
Dem gggfon sind 25 Gemeinden der Region Bern angeschlossen und seit diesem Jahr auch 15 (der 41) Gemeinden der Region Burgdorf – formell seit dem 1. Januar, der Startschuss mit Medienauftritt und Werbematerial erfolgte allerdings erst Ende März. Die Halbjahresbilanz Januar–Juni verzeichnet 62 Erstanfragen aus der Region Bern, davon deren acht aus der Region Burgdorf. Der Rest stammt aus dem übrigen Kanton (39), der übrigen Schweiz (15) oder war anonym (15).
Wenn man die Bevölkerungszahlen der beteiligten Gemeinden vergleicht, schneide die Region Burgdorf gar nicht so schlecht ab, meint Andreoli. Zu den acht Anfragen würden noch vier weitere hinzukommen, die aus Gemeinden der Region Burgdorf stammen, welche beim gggfon nicht mitmachen. Es habe sich schon in Münchenbuchsee gezeigt, wo das Projekt Ende 2000 seinen Anfang genommen hatte, dass sich in den ersten Monaten nur sehrwenig abspiele. Das liege an der Art des Projektes, die nicht kurzfristig wie eine Hotline reagiere, sondern längerfristig das ganze Gemeinwesen mit seinen Institutionen, Behörden und der Bevölkerung mit einbeziehe.
Die bisherigen Kontakte zeigen, dass das gggfon im Raum Burgdorf wahrgenommen wird, unterstreicht Andreoli. Karen Wiedmer, Geschäftsführerin der Region Burgdorf, teilt diese Beurteilung: «Acht Anfragen aus 15 Gemeinden in den ersten drei Monaten sind beachtlich», das bedeutet, dass das gggfon notwendig ist.
Laut Andreoli haben nach den Sommerferien vermehrt Gemeinden aus der Region Burgdorf angefragt, ob das Projekt nicht bei ihnen näher vorgestellt werden könne. Zwei solcher Vorstellungen seien schon konkret für nächstes Jahr geplant.
Kontakt: Montags und mittwochs 16.30 bis 18.30 Uhr telephonisch 031 333 33 40 oder sonst auf Telefonanrufbeantworter mit Rückruf innerhalb 48 Stunden; E-Mail: melde@gggfon.ch; Homepage www.gggfon. ch.