18.01.2001 BZ - G. Andreoli zieht eine Zwischenbilanz

"Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus": Unter diesem Motto wurde in Münchenbuchsee eine Hotline ("GGG-Fon") eingerichtet. Projektleiter Giorgio Andreoli zieht eine Zwischenbilanz.

Interview: Johannes Hofstetter


Seit dem 24. November letzten Jahres ist das GGG-Fon in Betrieb. Wie viele Buchserinnen und Buchser haben von dieser Informations- und Beratungsstelle Gebrauch gemacht?
Giorgio Andreoli: Das Echo war bisher eher verhalten. Oder anders gesagt: Wir wurden von Anrufern nicht gerade überrannt.

Was heisst das in Zahlen?
Dass sich pro Tag, an denen die Hotline bedient ist, oft niemand oder häufig nur eine einzelne Person meldet.

Wenn das Telefon nicht besetzt ist, läuft ein Anrufbeantworter. Was für Mitteilungen wurden darauf hinterlassen?
Auswertbares war selten darunter. Manche hängten gleich auf, wenn das Band zu laufen begann.

Mit welchen Anliegen wurden Sie bisher am häufigsten konfrontiert?
Die meisten nutzen das GGG-Fon als Auskunftsstelle oder dazu, einmal anonym über ihre Ängste zu reden. Meldungen über Übergriffe haben wir praktisch keine erhalten.

Kann daraus geschlossen werden, dass das Thema "Rechtsextremismus" in Buchsi vom Tisch ist?
Meiner Ansicht nach nicht. Sicher: Körperliche und aktenkundige Gewaltakte von Skin-heads hats auf dem Gemeindegebiet von Münchenbuchsee jetzt schon seit einiger Zeit nicht mehr gegeben. Aber Fremdenfeindlichkeit kann sich ja auch "nur" schon in einem Witz oder einer abschätzigen Bemerkung manifestieren. Und um die Menschen auch dafür sensibilisieren zu können, bleibt noch sehr, sehr viel zu tun.

Das GGG-Fon ist als Projekt für eine Dauer von drei Monaten eingerichtet worden. Ende Februar läuft die Versuchsphase ab. Wie gehts mit der Informations- und Beratungsstelle weiter?
Das weiss ich noch nicht. Demnächst wird der Buchser Gemeinderat darüber diskutieren, ob das Telefon auch in Zukunft betrieben wird.

Wie würden Sie entscheiden?
Ich würde weitermachen. Auch wenn die Resonanz relativ bescheiden war? Ja. Und zwar nicht zuletzt deshalb, weil mir in den letzten Monaten auch viele Leute, die nicht in Münchenbuchsee wohnen, gesagt haben, dass sie es toll fänden, wenn gegen die Gewalt etwas unternommen wird. Und sei es nur mit einer Telefonlinie.

Das GGG-Fon ist montags und mittwochs von 17.30 bis 19.30 und am Samstag von 16 bis 18 Uhr bedient in Betrieb. In der übrigen Zeit läuft ein Telefonbeantworter. E-Mail: gggfon@freesurf.ch