22.05.2002 BZ - Die anonymen Hilferufe häufen sich

031 333 33 40: Diese Nummer wählen immer mehr Menschen, die Gewalt und Rassismus im Alltag erleben.

"Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus": Unter diesem Motto betreiben 24 Gemeinden des Vereins Region Bern (VRB) zusammen mit Schüpfen seit dem 1. Februar dieses Jahres das so genannte gggfon. Diese anonyme Helpline steht nicht nur all jenen zur Verfügung, welche einer Gewalttat zum Opfer gefallen sind. Die Betreiber legen auch Wert darauf, verschiedene Formen von rassistischen Übergriffen zu erfassen und zu untersuchen. Zudem: Für Anfragen zu anderen Themen, zum Beispiel häusliche Gewalt, vermittelt das gggfon geeignete Kontaktstellen. Wie Isabelle Meyer, die stellvertretende Geschäftsführerin des VRB erklärt, entspricht das gggfon einem Bedürfnis. "Wir haben in den letzten Monaten sehr viele Anrufe von Betroffenen und sonstigen Interessenten erhalten", sagt Meyer. Gemeldet hätten sich unter anderem Gemeinden, welche nicht dem VRB angegliedert sind (Burgdorf und Lyss beispielsweise) und die sich mit dem Gedanken tragen, eine ähnliche Hotline zu installieren. 200-mal wurde das gggfon telefonisch oder per Mail bisher kontaktiert.

Bekannte Anlaufstelle
Als Grund für die rege Nutzung des gggfons nennt Meyer "eine allgemeine Verschärfung des politischen Klimas". Besonders im Umfeld der letzten Antifa-Demonstration in der Stadt Bern hätten sich die Hilferufe gehäuft. Darüber hinaus mache es auch den Anschein, dass das Projekt gggfon nach einer grossen Werbekampagne inzwischen einer breiten Öffentlichkeit bekannt sei. "Viele Menschen, die bisher nicht wussten, an wen sie sich wenden sollten, wenn sie Fragen hatten oder in Not gerieten, wissen jetzt, dass wir für sie da sind", sagt Isabelle Meyer. Bis vor vier Monaten mussten sich die Gemeinden noch selber um die Informations- und Betreuungsarbeit in Sachen "Gewalt im Alltag" oder Rassismus kümmern. Dieser Aufgabe konnten laut Meyer jedoch nicht alle Kommunen wunschgemäss nachkommen. "Manche Verantwortliche wussten schlicht nicht, wie sie mit den Problemen umgehen sollten. Einigen stand vielleicht auch die entsprechende Infrastruktur nicht zur Verfügung."

Filmpaket ab Herbst
Ein neues Angebot des gggfons ist ein Filmpaket zum Thema Rassismus und Gewalt. Gemäss gggfon-Projektleiter Giorgio Andreoli wird es ab Herbst allen Interessierten zur Verfügung stehen. Seien dies Schulen, Gemeinden, Privatpersonen oder Kinos, welche einen Zyklus, Filmabend oder ein thematisches Wochenende veranstalten wollen. Die Liste wird mit Spiel-, Dok-, Kurzfilmen und Reportagen bestückt sein. Sie wird auf der Internetseite des gggfon veröffentlicht. jho, kle
Telefon: 031 333 33 40; E-Mail: melde@gggfon, Homepage: www. gggfon.ch