28.05.2002 Bund - Mehr Hilferufe

RECHTSEXTREME / Bei der Beratungslinie "gggfon" haben viel mehr Personen zum Thema Rassismus und Gewalt angerufen als erwartet.

dre. 031 333 33 40: Diese Nummer können Personen wählen, die Fragen zu Rassismus oder Gewalt haben oder selbst davon betroffen sind. "In den letzten vier Monaten wurden wir insgesamt 200-mal kontaktiert", sagt Projektleiter Giorgio Andreoli. "Diese Zahl liegt klar über den Erwartungen", ergänzt Isabelle Meyer, stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins Region Bern (VRB). Seit dem 1. Februar wird die Helpline "gggfon" (gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus) von 24 Gemeinden der Region Bern unterstützt. Initiiert wurde das Projekt vor rund eineinhalb Jahren in Münchenbuchsee, nachdem es dort wiederholt zu Gewalttaten von Skinheads gekommen war (der "Bund" berichtete).

Als Ursache für die rege Nutzung nennt Andreoli eine Verschärfung des politischen Klimas. Insbesondere nach der Antifa-Demonstration Mitte März in der Stadt Bern hätten sich die Anrufe gehäuft. "Unterdessen ist ihre Zahl wieder leicht zurückgegangen", sagt der Kenner von radikalen Szenen und Jugendfragen, der zuvor das "gggfon" von Münchenbuchsee aufgebaut hat. Zudem habe die breite Werbekampagne mittels Flyern und Plakaten - Bern Mobil, RBS und BLS stellten gratis Werbeflächen zur Verfügung - das Beratungsangebot einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Bald auch im Oberland?

Viele Anfragen für Informationen und Vorträge kämen auch von Behörden und Fachpersonen, betont Meyer. Abzuzeichnen beginnt sich, dass bald auch
Gemeinden ausserhalb des Vereins Region Bern das Beratungstelefon aufschalten werden: 23 der 25 VRB-Gemeinden machen mit, ausgeschert sind nur Bäriswil und Köniz. Bereits heute beteiligt sich Schüpfen als einzige Gemeinde, die nicht dem VRB angehört. Doch gemäss Isabelle Meyer würden auch Wahlern und Burgdorf gegenwärtig prüfen, ob sie das kostengünstige Projekt künftig unterstützen wollen. In Spiez hat sich Jugendarbeiter Gerhard Krebs zum Ziel gesetzt, auch die Oberländer Gemeinden für das Projekt "gggfon" zu gewinnen. Er wolle mit seinen Arbeitskollegen und -kolleginnen Kontakt aufnehmen, damit diese ihrerseits bei den Gemeindebehörden vorstellig werden, erklärt Krebs gegenüber dem "Bund".