30.03.2004 Bund - Gegen Gewalt im Emmental

stefan von below

15 Gemeinden der Region Burgdorf helfen künftig das «ggg fon» finanzieren Das «ggg fon» - eine vom Verein Region Bern getragene Beratungsstelle zum Thema Gewalt und Rassismus - wird neu auch von 15 Gemeinden aus der Region Burgdorf unterstützt. Die restlichen 26 Gemeinden der Region haben vorläufig darauf verzichtet.
Gewalt und Rassismus machen nicht halt an Gemeindegrenzen. Aus diesem Grund haben 24 der 26 Gemeinden des Vereins Region Bern (VRB) sowie Schüpfen 2002 eine gemeinsame Informations- und Beratungsstelle eingerichtet: das «ggg fon» («Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus»). Unter der Telefonnummer 031 333 33 40 (Mo und Mi 16.30-18.30 Uhr) oder per E-Mail (melde@gggfon.ch) nehmen Projektleiter Giorgio Andreoli und sein Team Hinweise auf Gewaltvorfälle entgegen, beraten Betroffene und Behörden und vermitteln Fachstellen. Seit Anfang Jahr wird das «gggfon» auch von der Region Burgdorf unterstützt. 15 der 41 Gemeinden des Regionalverbands hätten beschlossen, einen Beitrag von 15 Rappen pro Einwohner und Jahr zu leisten, sagte Verbandspräsident Hans Grunder gestern vor den Medien. Der Regionalverband steuert weitere 3,5 Rappen pro Einwohner bei. Insgesamt bezahlt die Region rund 6500 Franken an das 60 000-Franken-Budget des «ggg fon».

Weiterführung von «Courage» «Das wäre ja gelacht, wenn Burgdorf nicht mitmachen würde», sagte Gemeinderätin Elisabeth Zäch (sp) - führe das «ggg fon» doch die Idee der Aktion «Courage» weiter, die sie im Frühjahr 2001 lanciert hatte. Immer wieder werde sie von Rat Suchenden angegangen, die Fragen zu den Themen Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus hätten. Bisher sei Burgdorf nur «Trittbrettfahrer» gewesen - «nun kann ich die Eltern und Grosseltern mit gutem Gewissen ermuntern, dort anzurufen.»

Das «ggg fon» erhalte regelmässig Meldungen und Anfragen von Personen, die nicht in einer der Trägergemeinden lebten, sagte Andreoli. So stammten im letzten Jahr nur 82 der insgesamt 184 Meldungen und Anfragen aus dem Gebiet des VRB. Anfragen von ausserhalb würden jeweils möglichst rasch weitervermittelt, während das «ggg fon» bei Anrufen aus dem Gebiet der Trägergemeinden mit den Gemeindebehörden Kontakt aufnehme und gemeinsam mit ihnen nach einer Lösung suche. Übrigens, so Andreoli, gebe es gelegentlich auch Anfragen zum Thema «linke Gewalt».

Neben grossen Gemeinden wie Burgdorf machen auch kleine mit beim «ggg fon» - etwa Zauggenried mit gut 300 Einwohnern. Mit Kirchberg und Oberburg sind dagegen zwei Nachbargemeinden von Burgdorf nicht dabei. Das «ggg fon» sei zwar eine «gute Sache», sagt der Kirchberger Gemeinderatspräsident Lorenz Wacker (sp). Der Gemeinderat hätte es jedoch lieber gesehen, wenn statt dem Anschluss an das VRB-Projekt die Aktion «Courage» auf die ganze Region Burgdorf ausgedehnt worden wäre. Nun setze man zusammen mit Rüdtligen-Alchenflüh auf eine eigene Aktion «Courage», die Ende April lanciert werde. Ausserdem, erwarte der Gemeinderat genau die Art Leistung, die das «ggg fon» anbiete, von der regionalen Jugendarbeit, die zum grossen Teil von Kirchberg finanziert werde.

Oberburg: «Weniger ein Thema»
Sie persönlich finde das «ggg fon» einseitig, sagt die Oberburger Gemeinderatspräsidentin Esther Jost (svp). «Ich bin gegen rechte und linke Gewalt.» Ausserdem sei Gewalt im Dorf Oberburg «noch weniger ein Thema als in der Stadt». Der Gemeinderat wolle das Geld lieber einsetzen, um zum Beispiel einen Referenten an die Schule zu holen - «das wäre etwas speziell für unsere Jugend».